Dienstag, 11. Oktober 2016

Der Geheimniskrämer (14. Kapitel)


Gelmatte und Schmuckie

Es war früher Morgen in Leipzig. Die Autos der Pendler verstopften den Stadtring. Die Straßenbahnen fuhren in Schritttempo Richtung Südvorstadt. Die Sonne schien und auf dem Thermometer waren die 20 Grad schon überschritten. Pegelmann stand in der Dimitroffstraße und rauchte. Er lehnte am Baum hinter sich und beobachtete mit zusammen gekniffenen Augen die beiden Männer vor dem Eingang der Polizeistation. Der kleinere trug eine hellgrüne Krawatte zum schnieken grauen Designeranzug. Seine Krawattennadel beinhaltete Schmucksteine, die ihm Sonnenlicht glitzerten. Der größere kleidete sich in einem dreiteiligen Nadelstreifenanzug. Er war fast ein Meter neunzig, schlank und gelte sich die Haare zurück. Die Uhr an seinem Handgelenk glich ungefähr dem Wert von Pegelmanns Privatauto.
Gelmatte und Schmuckie nannte er sie in seinem Kopf. Anwälte einer international vernetzten Kanzlei mit Standort Berlin und sein acht Uhr Termin. Die Chose war sogar so wichtig, dass sie im Büro des Polizeipräsidenten stattfand und nicht bei Pegelmann.
Pegelmann hatte sie schon beobachtet, als sie in ihrer BMW Limousine vorgefahren waren und jetzt noch ein Schwätzchen hielten, bevor sie die Polizeistation betraten.
Was für Lackaffen, dachte er und noch nie hatte er diesen Begriff als so passend empfunden.
Später, als er den beiden Herren gegenüber saß, verstärkte sich sein Eindruck. Sie wandten sich von Anfang an dem Polizeipräsidenten zu und beachteten Pegelmann nicht. Pegelmann ließ die Gelegenheit aus, sich mit an den Tisch zu setzen aus. Er stellte sich mit verschränkten Armen an die Fensterreihe genau mittig zwischen Polizeipräsidenten und Anwälten. 
Schmuckie stellte sie beide vor. Er sprach mit Schweizer Akzent. Verdammt, und er zupfte sich die Augenbrauen. Pegelmann starrte ihn an wie eine fette Made im Speck. Der Polizeipräsident reagierte um einiges souveräner.
"Ich freue mich immer über Besuch. In Ihrem Fall macht mich der Anlass besonders neugierig", begann er das Gespräch mit ausgesuchter Höflichkeit. Weder Gelmatte noch Schmuckie beeindruckten ihn sichtlich.
Schmuckie griff in seine lederne Aktentasche. Gezielt zog er ein Papier heraus und legte es dem Polizeipräsidenten vor. Dieser warf einen kurzen Blick auf das Blatt und und reichte es an Pegelmann weiter. Es war die Kopie eines deutschen Personalausweises. Das Foto zeigte ein Gesicht, das dem des Mordopfers sehr nahe kam. Pegelmann las den Namen. Hans Gustav Haselmann. Geburtsjahr 1983. Geboren im Landkreis Göttingen.
"Das ist Ihr Opfer in Ihrer Soko 'Haus'."
"Woher haben Sie diese Information?"
"Sagen wir, unser Klient möchte Ihnen helfen."
"Ihr Klient ist ein wichtiger Zeuge und wir müssen ihn vernehmen", schaltete sich der Polizeipräsident ein und diesmal lag ein dunkles Grollen in seiner Stimme.
"Unser Klient steht für eine Vernehmung nicht zur Verfügung."
"In welcher Verbindung steht er zu dem Opfer?"
"Kein Kommentar." Es waren die ersten Worte, die Gelmatte sprach.
"Und Sie kommen den ganzen Weg aus Berlin hier her, um uns ein Stück Papier zu überlassen, das Sie uns auch hätten faxen können?"
"Wir sind auf Wunsch unseres Klienten hier", antwortete Schmuckie.
Leicht verdientes Geld, du Arschloch, dachte Pegelmann.
"Sie werden den Täter eh nie finden." Gelmatte musterte Pegelmann vom Haaransatz bis zu den schwarzen Schuhen. "Für weitere Kommunikation stehen wir Ihnen per Telefon zur Verfügung."
Er hinterließ eine weiße Visitenkarte auf dem Schreibtisch. Die Anwälte verabschiedeten sich mit kurzem Gruß und verließen das Zimmer. Der Polizeipräsident wartete ein bisschen, bis er eine recht unchristliche Verwünschung ausstieß.
Pegelmann hob das Blatt Papier vor ihm hoch. "Der Ausweis ist 2011 abgelaufen."

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