Donnerstag, 22. September 2016

Der Geheimniskrämer (5. Kapitel)


Polizei (2)

"Poch, poch." Kollege Waskoya trat mit einem schelmischen Grinsen an Pegelmanns Bürotür. "Hier sind ein paar Kekse meiner Frau, wenn du willst." Er hielt Pegelmann eine Dose mit selbst gebackenem Naschzeug hin.
"Danke." Pegelmann griff zu und stopfte sich den ersten Keks in den Mund.
"Hast du die Zeitung schon gelesen?" Waskoya erhielt einen bösen Blick von Pegelmann. Anscheinend hatte er. Kein Wunder. Sie lag in der Küche für jeden sichtbar mit noch ein paar anderen Tageszeitungen.
"Homomord In Leipzig", titelte es dort. Einige Anwohner hatten der findigen Boulevardzeitung erzählt, der Fundort der Leiche sei ein Treffpunkt für männliche Prostituierte mit ihren Freiern gewesen. Die sensationelle Konklusion bestand natürlich darin, das Mordopfer, das auch nach zwei Tagen immer noch nicht identifiziert war, in der Stricherszene zu verordnen. Eine Polizeinahe Quelle berichtete auch noch von Spermaspuren und Kondom am Tatort.
"Die Lackaffen. Ich hasse sie so sehr." Auch mit vollem Mund konnte Pegelmann noch klatschsüchtige Reporter verfluchen.
"Ja, aber dein Hass hält sie am Leben. Ich hoffe, du hast gerade eine Minute. Ich bin eigentlich nicht wegen der Kekse gekommen." Waskoya setzte sich mit einer Gesäßhälfte auf den Schreibtisch. "Du hast mich verschlüsselten Texten zu tun, nicht wahr? Kann ich sie mal sehen?"
Waskoya arbeitete eigentlich bei der Bundespolizei. Weil Kriminalpolizei und Bundespolizei Informationsaustausch miteinander pflegten, war er öfters mal vor Ort.
Pegelmann fixierte den Kollegen, während er ihm Kopien der gefundenen Zetteln herüber reichte. "Sag bloß, du kennst dich damit aus?"
"Nein."
"Aber?"
"Ein Schulfreund von mir tüftelt gerne damit herum."
"Ein Schulfreund von dir tüftelt gerne damit herum?"
"Immer mit der Ruhe. Er ist Informatiker und programmiert Webseiten für Unternehmen. Irgendwie sowas. Zu Abi-Zeiten schon hat er sich mit Dechiffrierungen beschäftigt und das als Hobby beibehalten. Da gab es mal einen Mordfall in Australien mit einer Leiche, bei der ein Zettel mit einer verschlüsselten Botschaft gefunden wurde. Das hat ihn damals dazu verleitet, sich damit zu beschäftigen. Wenn du magst, kann ich ihn mal seine Hilfe bitten."
"Gerne." Pegelmann stand auf und griff nach den Blättern. "Warte, ich kopiere sie dir."
Waskoya zog eine Augenbraue hoch. "Lass das mal." Er holte sein Smartphone hervor und fotografierte die Kopien. "Mal sehen, wie schnell er das löst."
Pegelmann fuhr sich mit den Händen durch das Gesicht. "Das habe ich jetzt nicht gesehen. Verzieh dich einfach und sag Bescheid, wenn du eine Antwort bekommst."

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