Mittwoch, 21. September 2016

Der Geheimniskrämer (4. Kapitel)


Ein Anruf bei Nacht

Dienstagnacht um kurz vor halb zwei ging im Polizeirevier Zentrum in der Dimitroffstraße ein Anruf ein. Der Diensthabende Beamte erkannte sofort die Telefonnummer. Sie gehörte zu einer der Telefonzellen auf der Karl-Liebknecht-Straße.
"Ich, ähm." Die Frauenstimme zitterte stark.
"Geht es Ihnen gut?", fragte er Polizist.
"Ja. Mir geht es gut. Es geht um den Mord in dem Abrisshaus. Ich war zwei Tage vor dem Mord mit meinem, äh, Bekannten da und wir, also, wir hatten Verkehr, und er will sich nicht melden, weil seine Frau und seine Kinder das nicht wissen sollen. Aber wir haben nichts mit dem Mord zu tun. Wir waren nur da, um, na ja, Sie wissen schon."
"Das ist eine wichtige Zeugenaussage, die -"
"Ich kann nachts nicht schlafen. Wir waren nicht im Haus drin, nur in der Gasse. Da war niemand anders. Das war alles." Sie legte auf. 
Der Beamte seufzte. Jetzt hatte sie ihr Gewissen frei geredet. Was sie nicht wusste, war, dass genau zwei Straßen weiter eine Streife unterwegs war, die sich im Augenblick in ihre Richtung bewegte.

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