Mittwoch, 28. September 2016

Der Geheimniskrämer (8. Kapitel)


Brandherd

"Überall hängen diese scheiß Bullen rum. Und dieser Wichser Retacović schwänzelt um sie herum, als wäre er etwas Besonderes." Harto stützte sich auf das Fensterbrett und starrte nach draußen zur Straße hinunter. "Ich will bei der scheiß Hitze nicht hier drin sitzen." Er nahm einen Schluck Bier. "Warum muss so ein Arschloch hier hier erstochen werden."
"In der Zeitung steht, er wurde erschossen." Enrico rülpste und warf die gerade geleerte Chipstüte auf den Wohnzimmertisch. Scheiße, was war seine Wohnung dreckig, seit seine Alte ihn verlassen hatte. Nancy. Fett geworden war sie nach dem zweiten Kind, aber sie hatte sich immer um die Wohnung gekümmert. Und dann war auf einmal ein anderer Typ da gewesen. Einer mit einer Arbeit als Fernfahrer und einer größeren Wohnung. Und schwups: Da war die Schlampe weg gewesen. Noch einmal hatten sie miteinander telefoniert. Der andere Kerl war nie zu Hause. Hieß: Sie musste ihm nicht täglich hinterher räumen. Und er habe nicht so asoziale Freunde wie Enrico sie habe, hatte sie ihm gesagt.
Asozial vielleicht. Aber er war halt mit ihnen aufgewachsen. Harto und sein Cousin Valentin, den alle nur Schoppo nannten, waren ähnlich wie er nie in irgendetwas erfolgreich gewesen und trotzdem hatten sie alle eine eigene Wohnung und irgendwo ein Kind und eine Alte, die nichts mehr mit ihnen zu tun haben wollte. Die Wohnung wurde vom Staat finanziert und wer wirklich der Vater der Kinder war, war nie bewiesen worden.
Jetzt gerade war Harto dabei, sich mit der fünften oder sechsten heutigen Bierflasche in der Hand über die Schwuchteln und scheiß Pädos aufzuregen, die in dem Abrisshaus gevögelt hatten. Und jetzt war einer dieser Kinderficker halt niedergemäht worden. Und alle machten ein riesiges Drama draus.
"Gib mir ne Waffe und ich schieß die alle um. Diese scheiß Rosettenknutscher. Ich würde sie vor die Wand stellen und nur drauf halten."
Harto hatten sie damals bei der Bundeswehr wegen seiner Vorstrafen nicht angenommen.
Schoppo kam geräuschvoll aus dem Bad. "Eh, da kann die nächste Stunde jetzt keiner mehr drauf."
"Boah, Alter." Enrico verzog das Gesicht. "Ich riech's bis her."
Schoppo lachte dreckig. Er hatte mal einen gut bezahlten Job bei der Müllabfuhr sausen lassen, weil er keinen Bock auf das frühe Aufstehen gehabt hatte. "Was'n hier los? Alle so depri."
"Harto will alle Kinderficker umbringen."
"So wie er alle Juden umbringen will?" Schoppo kicherte. "Unser Harto, immer am Töten."
"Ich mein' das ernst, Mann." Harto zeigte auf das Haus auf der anderen Straßenseite. "Ich fackel das Ding heute Nacht ab. Da sehen die Schwuchteln, was ihnen hier blüht, wenn sie noch mal her kommen."


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