Dienstag, 27. September 2016

Der Geheimniskrämer (7. Kapitel)


Berlin

"Polizei! Stehen bleiben!"
Der Jugendliche warf das frisch geklaute Brot weg und rannte los. Im Zick Zack um die Leute herum, die stehen blieben und mit aufgerissenen Augen die Jagdszene verfolgten. Er sprang über das Geländer, das den Fußweg zur Straße abgrenzte, und überquerte die Straße. Reifen quietschten. Ein Auto hupte. Er hörte Schreie.
Es war nicht das erste Mal, dass er sich ein Laufduell mit der Staatsgewalt lieferte. Es war allerdings das erste dieser Art in dieser Stadt. Er kannte die Straßen nicht. Und so schrillte nur ein einziger Gedanke in seinem Kopf: Weiterweiterweiter. Weg. Weg. Weg.
"Junge, bleib doch stehen!", brüllte ein Polizist ihm hinterher.
Nein. Niemals.
Die Polizistin auf seiner rechten Seite war auf einmal da. Er hatte sie nicht kommen sehen. Sie setzte zum Sprung an und riss ihn mit sich herunter auf den Asphalt. Sie hockte auf ihn und er spürte, wie sie ihm Handschellen anlegen wollte.
Nein. Verdammt.
Er rappelte sich wieder auf. Die Polizistin fluchte und rammte ihm ihr Knie in den Rücken. Er stöhnte. aber er hatte schon ganz andere Arten von Schmerz kennen gelernt.
"Junge, es wird nicht besser", fauchte die Polizistin ihn an, als er nach ihr schlug. Sein Ellbogen prallte an ihrer Schutzweste ab. Sie verringerte ihm mit dem Knie in seinem Rücken die Atemzufuhr. Er riss den Mund auf und schmeckte den Dreck des Asphalts, auf den sie seinen Kopf gedrückt hielt. Er versuchte, sie zu treten, was sie mit einem Schlag in die Kniekehlen beantwortete. Egal, was er versuchte, sie kam ihm zuvor. Die Bullenfotze trainierte wahrscheinlich irgendeine Form von Selbstverteidigung.
Der Polizist, der ihn anfangs verfolgt hatte, war kurz darauf da. Er verdrehte ihm den Arm. Zusammen legten sie ihm die Handschellen an. Der Junge hörte den Polizisten laut Luft holen. Sein Atem stank, als hätte er sich vor kurzem noch einen Döner reingejagt.
"Junge, beruhig dich, oder du kommst in die Zwangsjacke", brüllte er ihn an, als der Jugendliche sich weiter wand. "Was ist denn los mit dir? Es ist doch nur ein Diebstahl."
Der Polizist begann ihn zu filzen.
"Pass auf, dass er dich nicht beißt." Die Polizistin gab über ihr Mikrofon an der Schulter Informationen an die Zentrale weiter.
"Wie heißt du?"
Dagan drehte den Kopf von ihr weg. Sie hatten ihn. Der Diebstahl war ihm egal. Aber jetzt würden sie eine Verbindung nach Leipzig herstellen können. Aber er würde nicht sprechen. Niemand kannte seinen Namen. Sie hatten nur seine Fingerabdrücke.

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