Donnerstag, 10. März 2016

Bevor sie sprang - Eine Skizzierung (Teil 1)

Sie hebt den Kopf und schaut in die Ferne. Die Sonne sendet das letzte Licht zu ihr. Ein leichter Wind weht. Er streichelt ihre Haut auf die zarte Weise unbekümmerter Natur. Sie neigt ihren Kopf leicht und der Wind gleitet an ihrem Gesicht den Hals herunter zum Nacken.
Ein leichtes Lächeln besetzt ihre Lippen. Sie schließt die Augen. Nur die Melodie des Windes spielt in ihrem Kopf. Jeder andere Gedanke löst sich auf. Kein Zögern mehr.
Der abendliche Schatten legt sich über sie und sie öffnet die Augen wieder. Die Sonne ist untergegangen. Letzte orangefarbene Streifen zeugen von ihrer einstigen Anwesenheit. Der Himmel zeigt sich bereits dunkel. Einige Sterne durchbrechen die Schwärze mit ihrem Funkeln, ihnen allen voraus die Venus.
Der Wind wird jetzt kälter. Sie streckt beide Hände in die Luft. Sie will ihn fühlen, doch er entweicht ihrem Griff.
"Du bist wie ich", murmelt sie, "auch du gehst nur deinen Weg."
Langsam nähert sie sich dem Geländer. Sie beugt sich vornüber. Der Blick nach unten verliert schnell an Schärfe.
Sie richtet sich wieder auf und schaut noch einmal in die Richtung der entschwundenen Sonne. Dann klettert sie über die Brüstung und springt.

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