Samstag, 29. März 2014

Lani (4/4)

Die Geschichte von Lani und Scott beginnt hier.
Ein paar Tage darauf wurde Lani wieder aus dem Krankenhaus entlassen. Ich wartete mit ihrer Mut­ter zu Hause, während ihr Vater sie abholte. Wir saßen an dem Tisch im Esszimmer. Er war gedeckt mit frischen Bröt­chen und Aufschnitt. Lanis Mutter und ich tranken dominikanischen Kaffee. Wir redeten über das Fernsehprogramm. Schlag den Raab. Wie lustig sie das fand.
    Wir hörten Geräusche vor der Eingangstür und wandten uns dorthin. Lani und ihr Vater kamen hinein. Ich hatte ihn das erste Mal vor zwei Tagen im Krankenhaus getroffen. Er war ein untersetz­ter Mann mit schon er­grauendem Haar. Seine Mimik hatte Gutmütigkeit ausgestrahlt, bis er an La­nis Krankenbett getreten war. Sie machte den gleichen verschlossenen Gesichtsausdruck wie er, wenn sie sich Sorgen machte.
    Lani lächelte, als sie mich erblickte. „Scott, es ist schön, dass du auch hier bist.“
    „Deine Mutter hat mich eingeladen.“
    „Musst du denn nicht arbeiten?“
    „Nein. Die Arbeit im Supermarkt habe ich gekündigt.“
    Ihr Vater und sie setzten sich zu uns an den Tisch und wir begannen zu essen.
    „Warum denn?“, fragte Lanis Vater.
    „Ich mochte die Arbeit nicht. Außerdem hab ich noch die Stelle in der Bar. Die reicht vollkommen. Das Trinkgeld kommt ja noch dazu. Das hatte ich vorher nicht mit eingerechnet.“
    „Scott hat nicht grundlos anfangen zu arbeiten“, bemerkte Lani und warf mir einen eindringli­chen Blick zu.
    „Was war denn der Anlass dazu?“, fragte ihr Vater.
    „Also, ähm“, ich starrte auf den Tisch, „Lani hatte mir gegenüber erwähnt, wie gerne sie einmal in die Domi­nikanische Republik reisen möchte. Deshalb hab ich be­gonnen Geld zu sparen, damit sie ihre Verwandten besuchen kann.“
    Ich bemerkte, dass Lanis Eltern mich anstarrten, und ich wurde rot.
    „Du hast das extra für Lani getan?“, fragte die Mutter.
    „Das hat er“, bestätigte Lani. „Ich wusste nichts davon. Ansonsten hätte ich ihn davon abge­bracht.“
    Mir wurde die Situation noch peinlicher, weil Lanis Eltern abwechselnd sich, Lani und mich an­schauten. Lanis Mutter traten die Tränen in die Augen.
    „Es wäre wundervoll, wenn Lani endlich mal ihre Familie kennen lernen würde“, sagte sie.
    „Also erlaubt ihr es mir?“, warf Lani ein.
    „Scott, das ist wirklich eine selbstlose Tat“, sagte ihr Vater. „Wir müssen jedoch natürlich erst mit Lanis Ärz­ten sprechen.“
    „Aber ihr verbietet mir es nicht?“
    „Nein, natürlich nicht“, sagte Lanis Mutter und alle drei lächelten mir zu.

Den ganzen Abend über bedankten sich die Eltern fortwährend bei mir. Sie waren ganz gerührt. Am Ende um­armte mich Lanis Mutter. Ich nahm ungern Abschied von ihnen, denn bei Lani zu Hause war es ge­müt­lich. Ich kam gegen halb zehn nach Hause. Im Wohnzimmer brannte noch Licht und ich trat kurz ein, um meine Eltern zu begrüßen. Sie saßen auf der Couch und schauten fern.
    „Hallo“,  sagte ich.
    Sie grüßten mich kurz zurück, schauten aber nicht vom Fernseher auf. Ich wandte mich bereits zum Gehen, als mein Vater sagte: „Scott, setz dich doch mal gerade zu uns.“
    Noch eine Predigt, in der sie an mir zweifeln werden, dachte ich, nahm dann aber Platz.
    Mein Vater schaltete den Ton aus und sagte: „Ich habe heute in deiner Schule angerufen, um mich zu erkundigen, ob du in letzter Zeit zum Unterricht gegangen bist. Dein Klassenlehrer berichtete mir, du würdest regelmäßig kommen und hättest sogar dein Verhalten im Un­terricht verbessert. Wir, deine Mutter und ich, waren darüber sehr überrascht, weil es gegen unsere Erwartun­gen sprach.“
    „Also keine neuen Drogengeschichten, die ihr mir unterjubeln wollt?“
    „Wer war die Frau, die für dich angerufen hat?“, fragte meine Mutter. Sie hatte diesen strengen Zug um den Mund. „Die mit dem spanischen Akzent.“
    „Das war die Mutter einer Freundin von mir.“
    „Du hast eine Freundin?“
    Ich kratzte mich am Nacken und begann ihnen von meiner Freundschaft zu Lani zu erzählen. Als ich damit endete, dass Lani heute aus dem Krankenhaus zurückgekommen war, blickte mich meine Mutter immer noch zweifelnd an.
    „Scott“, begann sie, aber mein Vater unterbrach sie: „Nein, Agatha, er wür­de sich nicht die Mühe machen, sich eine solch komplexe Geschichte auszudenken.“
    „Vertrauen ist immer ein guter Anfang“, sagte ich.
    „Mal sehen, ob es Lani wirklich gibt“, sagte mein Vater.
    Damit konnte ich leben. Ich wusste, ich war auf der richtigen Seite.

Lanis Ärzte äußerten Bedenken und rieten ab, aber Lani ließ sich davon nicht einschüchtern. Ih­re El­tern kauften das Ticket für sie. Sie würde bald fliegen. Das bedeutete für uns, dass auch unsere gemeinsame Zeit dem Ende nahte. Wenn wir uns jetzt trafen, hingen wir meistens im Park her­um und genossen die Zeit.
    „Wirst du es schaffen?“, fragte Lani mich, als wir über das Thema Schule sprachen.
    „Ich denke schon.“
    „Was heißt das, Scott?“
    „Der Stanze wird mir in Englisch die Fünf aufdrücken, aber ich kann sie mit ‘ner drei in Mathe ausgleichen. Bei meinen anderen Fünferfächern aus dem letzten Jahr hab ich mich auf ‘ne vier ver­bessert. Selbst in Musik, obwohl ich überhaupt nichts von dem Kram verstehe.“
    Ja, um Noten kümmerst du dich bisher wenig.
    Sehr lustig, Lani.
    „Vielleicht hast du eine bessere Note bekommen, weil du überhaupt mal zum Unterricht erschienen bist.“
    „Wahrscheinlich.“
    „Hier. Eine Ode an Scott. Lani zupfte einen längeren Grashalm aus, legte ihn zwischen ihre bei­den Dau­men und versuchte mit Pusten Töne zu erzeugen. Sie brachte mehrere komische Quietscher hervor. Ich musste la­chen. Sie grinste und warf ihr Musikinstrument weg.
    „Deine Widmung berührt mich zutiefst.“
    „Versuch’s doch selber“, rief sie und bewarf mich mit Gras.
    „Pass auf! Jetzt zeig dir, wie das geht.“ Ich fischte einen Halm aus meinem Haar, legte ihn genau wie Lani zwischen die Daumen und blies Luft durch den Schlitz. Anstatt irgendeines Tons hörte man jedoch nur mein Pusten. Lani fing an mich lauthals auszulachen.
    „Oh, Mann! Du bist ja noch schlechter als ich.“
    Sie pickte sich einen neuen Halm. Jetzt pusteten wir um die Wette. Ich schaffte es, mehrere Töne von mir zu geben, während Lani jetzt den Kniff heraus hatte und sehr eigenwillig Alle meine Entchen inter­pretierte. Sie kam immer wieder aus der Melodie, weil sie so sehr kichern musste wegen meiner kläglichen Versu­che. Ich lachte ebenfalls mit und hörte erst auf, als Lani überrascht hinter mich schaute. Ich drehte mich um und erkannte Edgar.
    „Hi Edgar!“
    „Hi Scott!“
    An seiner Anrede erkannte ich, dass er wegen Lani ziemlich baff war. Sie schaute ihn ebenfalls mit einer Mischung aus Misstrauen und Neugierde an. „Lani, das ist Edgar, mein bester Kumpel, und Edgar, das ist Lani.“
    Ich überlegte kurz, ob ich ein „eine Freundin von mir“ oder „meine Freundin“ anhängen sollte, fand aber, dass beide Beschreibungen nicht ganz passten. Edgar würde sie vielleicht falsch verste­hen.
    „Hallo!“, begrüßte Lani ihn. „Setz dich doch zu uns.“
    „In Ordnung“, erwiderte er und ließ sich nieder. „Was habt ihr hier gerade gemacht?“
    „Oh, wir haben versucht, auf Grashalmen Musik zu machen“, sagte Lani vergnügt.
    Ich wurde leicht rot. Wenn Edgar und ich uns trafen, spielten wir Videospiele oder schauten fern, sprachen über Fußball oder über gar nichts. Manchmal trafen wir uns auch mit noch ein paar Freun­den und spielten Basketball oder Fußball. Dass er mich mit einem bildhübschen Mädchen dabei an­traf, wie wir versuchten, Töne mit Blättern zu erzeugen, war mir et­was peinlich. Aber er würde mich niemals dumm da stehen lassen. Schließlich war er ja mein bester Freund.
    „Scott, arbeitest du immer noch im Schuppen meines Onkels?“
    „Samstags und sonntags nur noch. Wieso?“
    „Seine andere Kellnerin ist schwanger geworden. Ich springe für sie ein.“
    „Cool. Dann sehen wir uns ja dann.“
    „Hm, er meinte übrigens, du wärst ‘n echter Kerl.“
    Ich zuckte mit den Schultern, weil ich es ja schlecht verneinen konnte. Edgar erwartete anschei­nend gar keine Antwort von mir, sondern wandte sich Lani zu. „Du kannst gern mal vorbeikom­men.“
    Lani lächelte. „Ja, gerne. Aber es geht nur noch diese Woche.“
    „Wieso das denn?“
    „Weil ich Ende nächster Woche abreise.“
    „Oh, wohin geht’s denn?“
    „Dominikanische Republik.“
    „In die DomRep? Wie cool! Gehst du nicht zur Schule?“
    „Nee, nach der zehnten bin ich abgegangen.“
    „Werde ich wahrscheinlich auch“, meinte Edgar, „muss aber erst mal schauen, wie’s mit ‘nem Ausbildungs­platz aussieht. Was machst du denn, Scott?“
    „Keine Ahnung. Ich schau mal, ob ich es bis zum Abi schaffe, und wenn nicht, werde ich mich einfach von Luft und Liebe ernähren.“
    Edgar und Lani schaute mich an, als hätte ich komplett den Verstand verloren. Und vielleicht hatte ich das auch. Auf einmal machte alles Sinn. Lernen für die Schule, Arbeiten, Geld sparen. Vielleicht würden mir meine Eltern bald wieder richtiges Vertrauen schenken. Ich hatte etwas gewonnen im Leben. Nämlich Zuversicht. Und Lani war Schuld, denn sie hatte ich beeindrucken wollen.
    „Wenn es das ist, was du machen willst.“ Lani legte sich auf den Grasboden und schloss die Augen. „Ich glaube, das wird ein ziemlich warmer Sommer werden.“
    „Meinst du, das Wetter hält an?“
    „Ja, noch ein paar Wochen. Es wird bestimmt noch heißer werden.“
    „Hoffentlich nicht. Es ist jetzt schon an die dreißig Grad und ich gehe schon ein.“ Ich bettete mich neben sie ins Gras und wir lagen zu dritt im Sonnenlicht.

Lani flog an einem Sonntag. In der Nacht konnte ich nicht schlafen. Sie ging, um zu sterben, nicht, weil sie umzog. Wir konn­ten uns noch schreiben, aber irgendwann wür­de keine Antwort mehr von ihr kommen. Ich würde sie nie wiedersehen.
    Ich stellte mir vor, wie sie all ihre Verwandten traf, die sie nur von Erzählungen und Bilder kann­te, wie sie ihre bescheidene Unterkunft akzeptierte, wie sie mit den zahlreichen Kindern ihrer Cou­sinen und Cousins spielte, das Meeresrauschen genoss, und andauernd an ihre El­tern in Deutschland und vielleicht auch an mich zurückdachte, wie sie traurig sein würde, dass wir nicht bei ihr waren. Sie würde Schmerzen ertragen müssen. Aber alles in allem würde sie je­den Morgen froh sein, dort zu sein. Bis dann kein neuer Morgen mehr kommen würde.
    Bei dem Gedanken kamen mir das erste Mal die Tränen. Ich konnte sie nicht aufhalten. Der Ge­danke, dass ich Lani morgen das letzte Mal sehen würde, machte mich auf einmal unsagbar trau­rig. Der Abschied war für immer. Kein Licht mehr. Kein Lachen. Lani war fort.
    Als schließlich der Wecker klingelte, hatte ich kaum zwei Stunden geschlafen. Ich stand sofort auf. Meine El­tern, die darauf bestanden, mich zum Flughafen zu begleiten, schliefen noch. Ich be­trat das Badezim­mer und während ich mir die Zähne putzte, zitterte meine Hand. Beim Verlassen des Bades, kam mir mein Vater entgegen. Er kratzte sich den Kopf und nickte mir zu.
    Meine Mutter hatte mir gestern meine besten Klamotten frisch gebügelt über den Stuhl gelegt. Ich schlüpfte hi­nein und bereitete das Frühstück in der Küche vor. Meine Eltern kamen fast zeit­gleich herein. Wir spra­chen nicht, während wir aßen. Das Geschirr blieb auf dem Tisch stehen, weil wir zeitig losfahren wollten.
    Auf der Fahrt zum Flughafen verlor ich kein Wort. Mein Eltern unter­hielten sich leise über Angelegenheiten, die die Arbeit meines Vaters betrafen. Meine Mutter lenkte den Wagen auf den Parkplatz des Flughafens. Wir stiegen aus. Ich schaute zum Gebäude und spürte, wie es in meinem Inneren be­gann zu flattern.
    Wir hatten mit Lanis Eltern ausgemacht, wo wir uns trafen. Sie waren bereits da. Ich erkannte sie von weitem. Lani, die einen großen Strohhut trug, schaute sich in der Flughalle um. Als ihre Augen mich trafen, lächelte sie und wies ihre Eltern auf uns hin. Lani und ich umarmten uns zur Begrü­ßung, etwas, was wir noch niemals getan hatten. Unsere Eltern gaben sich einander die Hand. Lanis Mutter umarmte mich ebenfalls.
    „Du siehst ziemlich müde aus, Scott“, bemerkte Lani.
    Ich zuckte mit den Schultern. „Ich konnte letzte Nacht nicht schlafen.“
    Sehr wohl bemerkte ich, wie meine Eltern sich Blicke zuwarfen.
    Wir halfen Lani bei der Kofferabgabe. Schließlich kam der Moment, der mich nicht hatte schla­fen lassen. Lani umarmte erst ihren Vater, dann ihre Mutter. Diese fing an zu schluchzen. In Lanis Au­gen sah ich Tränen blitzen, a­ber sie weinte nicht. Meinen Eltern reichte sie die Hand. Meine Mutter umarmte sie kurz. Lanis Mutter wiederholte nur andauernd: „Oh, Lani, meine kleine Lani.“
    Lanis Vater stand mit verschlossenem Gesicht da. Seine Trauer war ihm anzumerken. Ich warf noch kurz einen Blick auf ihn, bevor Lani vor mir stand. Wir umarmten uns erneut. Ich drückte sie ganz fest an mich. Sie lächelte. Als ich sie wieder losließ, sagte sie: „Danke, Scott, vielen Dank für alles. Ich konnte leider nie richtig ausdrücken, was das für mich be­deutet.“
    „Das brauchst du auch nicht. Ich weiß es. Ich habe dir viel zu verdanken, Lani.“
    Ihr Lächeln vertiefte sich. Dann nahm sie ihr Handgepäck und den Hut. Sie lächelte jeden einzel­nen von uns noch einmal einzeln an und ging dann durch die Sicherheitskontrolle. Lanis Vater nahm seine zitternde Frau in die Arme. Lani wandte sich noch einmal um und ich konnte ih­re Tränen sehen, die nun ihr Gesicht herunterliefen. Sie hob ein allerletztes Mal die Hand und verschwand.

„Diese Lani“, bemerkte Edgar ganz unvermutet auf dem Nachhauseweg von der Schule, „ist sie deine Freundin?“
    „Ja.“ Es sprach sich ganz von alleine aus.
    „Wann kommt sie denn wieder? Ist schon ziemlich lange weg.“
    „Sie wird nie wiederkommen.“
    Edgar runzelte die Stirn. „Wie kannst du da sicher sein?“
    Ich schaute weg. Ich schaffte es nicht, vor meinem besten Freund zu weinen. „Weil sie nicht zu­rück kommen kann. Ich erzähle es dir ein anderes Mal, in Ordnung?“
    Er merkte, wie sehr mich das Thema traf, und schwieg.
    Wir verabschiedeten uns kurz vor meiner Wohnung. Ich trat ein. Meine Mutter hatte mir Essen kalt gestellt. Ich musste es nur noch in der Mikrowelle erwärmen. Ich warf einen Blick auf die Post, die auf dem Küchentisch lag. Zuoberst war ein an mich adressierter, hellblauer Brief. Lani.
    Ich ergriff den Umschlag, öffnete ihn. Doch anstatt eines Briefes, lagen nur Fotos bei. Das oberste zeig­te La­ni im Bikini und Wickelrock, auf einem anderen waren fünf Kinder zwischen zwei und zehn Jahren um sie versammelt. Sie standen am schneeweißen Strand, im Hintergrund türkises Meer. Links rankten Palmzweige ins Bild.
    Ein weiteres Foto zeigte ihr Zimmer, das sie mit einer unverheirateten Cousine teilte, wie ich von ihrer Mutter erfahren hatte. Es war klein, beherberg­te nur zwei schmale Betten, eine Kommode und einen Stuhl. Gegen­stände standen herum, zwei Schüsseln, Gläser, Tücher, eine Babyflasche, Lanis Hut.
    Das vierte Bild zeigte einen Markt. Lani, zwei der kleineren Kinder und noch drei Frauen, zwei ältere und eine jüngere, posierten vor einem Stand mit reichem Obstangebot. Sie verkauften dort an die Touristen. Auf jedem dieser Bil­der lächelte Lani, auf dem ersten am meisten. Und trotzdem waren die beiden letzten Bilder die schönsten. Eines zeige Lanis Gesicht in Großaufnahme. Sie lachte übers ganze Gesicht. Ihre Haut war eine Spur brauner geworden und ihre Sommersprossen hatten sich verdich­tet. Sie schaute rechts an der Linse vorbei.
    Beim letzten Bild musste ich unwillkürlich schlucken. Es zeigte nur ihre Augen. Diese mandel­förmigen, brau­nen Augen schauten mich direkt an. Sie schauten mit dem Hauch der Melancho­lie, mit der ich sie kennen gelernt hatte. Diese Spur des Schmerzes, die nie verschwand. Ich kannte Lanis Augen. Lanis Schmerz. Lanis Leben.
    Und wie sehr ich sie vermisse.

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